Risikolage im Zusammenhang mit Geldwäsche (2019)

Risikolage im Zusammenhang mit Geldwäscherei (2019) ist Teil der Dokumentation und des Referenzmaterials der SFMA.

Der Finanzplatz Schweiz ist ein weltweit führender grenzüberschreitender Vermögensverwaltungsstandort für Privatkunden. Dadurch ist sie besonders Geldwäscherisiken ausgesetzt. Gesetzesverstöße können zu erheblichen Sanktionen und Reputationsschäden bei Finanzinstituten im In- und Ausland führen. Mehrere große internationale Geldwäschereifälle mit Bezug zur Schweiz in der Vergangenheit unterstreichen die Risiken, die in diesem Bereich bestehen. Aufgrund schrumpfender Margen könnten Finanzinstitute die geschäftliche Entscheidung treffen, Beziehungen zu profitablen Neukunden aus relativ risikoreichen Schwellenländern aufzubauen, in denen ein erhebliches Korruptionsrisiko besteht. Jüngste weltweite Korruptions- und Geldwäscheskandale, etwa um den malaysischen Staatsfonds 1MDB sowie die brasilianischen und venezolanischen Ölriesen Petrobras und PDVSA, zeigen, dass die Risiken für Finanzinstitute, die im grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft tätig sind, weiterhin hoch sind. Und das, obwohl viele Institute in den letzten Jahren ihre Geldwäschereiprävention weiter verbessert haben, zunehmend verdächtige Kunden identifizieren und diese der Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) melden. Die mit Korruption und Unterschlagung einhergehenden Finanzströme können nicht nur vermögende Privatkunden betreffen, die häufig als politisch exponierte Personen gelten, sondern auch staatliche oder halbstaatliche Organisationen und Staatsfonds. Die Komplexität der Strukturen, insbesondere bei der Nutzung von Sitzgesellschaften, kann das Geldwäscherisiko erhöhen. Zusätzlich zu diesen klassischen Geldwäscherisiken sieht sich die Finanzbranche auch mit neuen Risiken im Bereich der Blockchain-Technologie und den Kryptoassets konfrontiert, die bei Kunden auf wachsendes Interesse stoßen. Obwohl diese neuen Technologien Effizienzsteigerungen in der Finanzbranche versprechen, verschärfen sie aufgrund der damit verbundenen größeren potenziellen Anonymität sowie der Geschwindigkeit und grenzüberschreitenden Natur der Transaktionen auch die Bedrohung durch Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Fehlverhalten der im FinTech-Bereich tätigen Finanzinstitute könnte den Ruf des Schweizer Finanzplatzes erheblich schädigen und die Entwicklung der Digitalisierung verlangsamen. Bei der Aufsicht über die Bekämpfung der Geldwäscherei wendet die SFMA einen völlig überarbeiteten Prüfansatz an. Dabei steht die materielle Einhaltung der Pflichten der schweizerischen Geldwäschereigesetzgebung im Vordergrund. Der Umfang jeder einzelnen Prüfung hängt jedoch vom Risiko ab, das vom untersuchten Finanzinstitut ausgeht. SFMA wird sich auch stark auf das Risikomanagement bei Finanzinstituten konzentrieren, die quasi-staatliche Kunden betreuen. Im Bereich digitaler Assets verfolgt die SFMA einen technologieneutralen Ansatz, verlangt von den Instituten jedoch, dass sie mindestens die gleichen hohen Standards einhalten, die im analogen Geschäft gelten. (Aus dem Risikomonitor 2019)